Artikel Badisches Tagblatt 02.11.2016

Neuer Pfarrer hat Ehemann an seiner Seite

Von Gisela Brüning

Baden-Baden – Es hat eine Weile gedauert, bis ein passender Nachfolger für Hans Vogt als Pfarrer der Altkatholischen Gemeinde gefunden wurde. Doch mit Timo Vocke scheint eine hervorragende Wahl getroffen worden zu sein. Die Chemie stimme zwischen dem „Neuen“ und der höchst aktiven Gemeinde, heißt es.

timo_vocke_bt_20161102Außerdem steht ihm sein Ehemann Ingmar zur Seite, der sich schon mal tatkräftig mit beim Gemeindefest einbrachte. Sehr offen und herzlich wären sie von der Gemeinde empfangen worden, zeigte sich Vocke im BT-Gespräch von den Menschen angetan, die sich wie bisher für ein engagiertes Miteinander einsetzen wollen. Es ist bekannt, dass die „lebensfrohe und lebensbejahende“ (so Vocke) Spitalkirchen- Gemeinde generationsübergreifend auffällig viele junge Familien mit Kindern anzieht. Das habe sich beim ausgelassenen Feiern widergespiegelt. Wie aber will der Geistliche dem Alltag begegnen, und das angesichts einer Welt, die sich immer entschiedener vom Glauben abwendet und in Kälte und Egozentrik erstarrt?

„Gerade weil die Welt so brutal ist, will ich den Menschen mit Achtung und Liebe begegnen, damit sie sich angenommen und verstanden fühlen“, beharrt Vocke auf seiner Art der Seelsorge, mit der er nicht nur hauptamtlich in Baden-Baden, sondern auch in der kleinen Offenburger Gemeinde Ansprechpartner sein werde. Ihn leite das Jesu-Wort, das ihm bei seiner Primiz mit auf den Weg gegeben wurde: „Liebet euch untereinander, gleichwie ich euch liebe“, heißt es im Johannes-Evangelium (15,12).

Die Biografie des 42-Jährigen beginnt in Kronau und mit großem Engagement in der Kinder- und Jugendarbeit der dortigen katholischen Gemeinde. Doch sie erfährt einige unerwartete Wendungen: Zunächst absolviert Vocke, dem elterlichen Wunsch folgend, eine Banklehre. Doch die Berufung zur Seelsorge ist stärker. Sein Fachhochschul-Abschluss steht dem regulären Theologie-Studium, das die Kenntnis alter Sprachen fordert, entgegen, würde sich da nicht die Möglichkeit eröffnen, in der Schweiz auf dem „dritten Bildungsweg“ sein Ziel zu erreichen. Allerdings hätte er als katholischer Priester auf seinen langjährigen Gefährten verzichten müssen, was nicht zur Debatte stand.

Durch Freunde erfuhr er von der altkatholischen Kirche, die ihrer synodalen Struktur folgend auch Frauen und verheiratete Priester in allen Ämtern zulässt. Nachdem sich herausstellte, dass im aufgeschlossenen Geist dieser Konfession nichts „alt“, sondern dem Beispiel der ersten Christen folgend, sogar sehr modern und fortschrittlich ist, war der weitere Weg vorgezeichnet.

Die altkatholische Kirche unterscheide sich von der römisch-katholischen darin, dass sie sich 1870 vom „unfehlbaren“ Papsttum mit seinen Dogmen losgesagt habe, ansonsten aber deren Lehren weitgehend anhänge, erklärte Vocke. Der Ökumene verpflichtet, hofften auch die Altkatholiken, dass die Spaltung der christlichen Kirchen eines Tages überwunden werde.

Nach dieser Unterweisung setzt er sich im Kirchenschiff hinter seinen Laptop, um zu arbeiten. Die neue Pfarrer-Wohnung sei noch nicht fertig, und außerdem treffe er im offenen Gotteshaus auf Menschen zum Gespräch, zeigt sich Vocke mit der Übergangs-Lösung zufrieden.

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Veröffentlicht in Presse.

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